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 SCHIFFER-COMPAGNIE STRALSUND

                                                                                       Sitz der Schiffer-Compagnie, Frankenstraße 9, 18439 Stralsund

In der Frankenstraße 9 zu Stralsund befindet sich seit 1635 bis heute das Haus der Schiffer-Compagnie in Stralsund. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist schon von weitem zu sehen und durch den roten Giebel mit einem Vollschiff als Wetterfahne zu erkennen.

 

1488 wurde die Schiffer-Compagnie von Stralsunder Schiffern gegründet. Der Zusammenschluss der Schiffer zur Sankt Marienbruderschaft im Januar 1488 ordnete sich in die Gründung gleichartiger Berufsvereinigungen in anderen hanseatischen Seestädten ein. Den letzten Anstoß erhielten die Schiffer vom Rat der Stadt, die ihrem Ratsmann Hinrich Bochow den Auftrag erteilt hatten, eine Vereinigung der Schiffer voranzutreiben. Eine Beratung um Martini 1487 führte letztendlich zur Gründung der Bruderschaft im Jahre 1488. Die Gründungsurkunde, die heute noch vorhanden ist, enthält die erste Satzung der Bruderschaft und die Namen der ersten 50 Schiffer sowie die Namen des ersten Vorstandes. Im selben Jahr wurde die Bruderschaft als Amt erklärt und erhielt das Privileg eines eigenen Gestühls. Das kam einer Anerkennung durch den Rat der Stadt und die Kirche gleich.

1624 wurde der Bruderschaft eine Confirmierte Ordnung vom Rat vorgelegt. Da diese erste Satzung offensichtlich Artikel enthielten, die im Sinne des Rates formuliert waren, fand sie bei den Schiffern wenig Anklang. 1699 überarbeitete der Altermann Titie Wolter die Ordnung, die dann vom Rat der Stadt und den Schifferbrüdern akzeptiert wurde. Teilweise hat sie noch heute Bestand. Die damaligen Stiftungsgrundsätze sind in dem Statut überliefert, welche in der niederdeutschen Sprache verfasst sind. Ein nicht unwesentlicher Aspekt, der zur Gründung der Bruderschaft führte, war deren Streben nach Sicherheit, gegenseitiger Hilfe und einer Versorgung von Witwen und Waisen. Aus diesem Grund wurden 1616 in der Semlowerstraße und 1635 in der Frankenstraße je ein Haus gekauft.

 

Die Leitung der Bruderschaft oblag dem Vorstand, der ursprünglich aus zwei Altermännern und vier Schaffern bestand. Wahlen wurden auf den Generalversammlungen im vierteljährigen Turnus durchgeführt. Die Schiffer-Compagnie wurde durch eigene Abgeordnete auf den Hansetagen vertreten. 1900 waren noch zwanzig Mitglieder im Bruderbuch verzeichnet. Heute sind es nach vielen Veränderungen sogar wieder fünfzig Mitglieder, die die Bruderschaft zukünftigen Generationen erhalten und die von den Vorfahren übernommene Traditionen pflegen wollen.

 

Die Räume der Schiffer-Compagnie gleichen heute einem Museum mit sehenswerten Sammlungen von Kapitänsbildern, Schiffsmodellen und Seemannsandenken. Des weiteren werden hier interessante Zeugnisse der seit 500 Jahren bestehenden Berufsvereinigung aufbewahrt. So zum Beispiel über die allgemeine Wahrung der Ordnung im Seefahrtswesen, Mitgliederschutz und über die soziale Absicherung der Angehörigen. Im großen Saal des Hauses können historische Schiffsmodelle, u.a. das Linienschiff PRINZ CARL von 1722, Kapitänsbilder und alte Einrichtungsgegenstände besichtig werden. Der Vorsaal ist Mitbringseln aus der alten Welt vorbehalten. Öffnungszeiten sind von dem Vorsitzenden Altermann Herrn Horst R. Amelang zu erfragen, der auf Wunsch auch gerne Führungen vermittelt.

 

Geblieben ist der alte Brauch, sich am Donnerstags, dem Seemannssonntag, in der Schifferstube zu treffen, eine monatliche Versammlung durchzuführen und im Januar die Generalversammlung abzuhalten. Traditionell treffen sich in der Schiffer-Compagnie einmal im Jahr Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik zum sogenannten Schifffahrtsessen. Auf dem Speiseplan stehen dann Hechtsuppe, Labskaus und Rote Grütze.

 

Vorsitzender Altermann ist der Kapitän 

Herr Horst R. Amelang,

Frankenstraße 9, 18439 Stralsund,

Tel.: 03831 290449

Jahreszahlen zur Schiffer-Compagnie

 

1488 gründen ortsansässige Schiffer die Sankt Marienbrüderschaft in Stralsund

1616 Hauskauf in der Semlowerstraße.

1635 Hauskauf in der Frankenstraße.

1618-1648 Der dreißigjährige Krieg wütet. Stralsund konnte der Belagerung durch Wallensteins Truppen standhalten. Raub und Brandschatzung wurden dadurch verhindert. Viele Dokumente und Urkunden blieben erhalten, so dass heute die Geschichte der Schiffer-Compagnie bis zu ihren Anfängen zurückverfolgt werden kann.

1630-1815 Stralsund stand überwiegend unter schwedischer Herrschaft. Die Schutzmacht Schweden verlangte hohe Steuern und Abgaben. Der Seeverkehr beschränkte sich zeitweise auf die Ostsee, weil die Sundpassage von Dänemark kontrolliert wurde. Stralsund war nur noch Im- und Exporthafen für Schwedisch Pommern.

1699 Der Schiffer Titie Wolter gab eine überarbeitete Ausgabe der Statuten der Schiffer-Compagnie heraus. Sie hatte den Titel: Denkwürdigkeiten der löblichen Schiffer-Compagnie.

1701-1720 Der Nordische Krieg lähmte Handel und Schifffahrt. Die Schiffer-Compagnie musste einen Teil des Silberschatzes verkaufen, um Abgabenlasten auszugleichen.

1715-1718 Stralsund stand während dieses Zeitraumes unter dänischer Herrschaft. Rechtsstreitigkeiten, die die Compagnie hatte, mussten im entfernten Kopenhagen gelöst werden.

1815 Stralsund wurde nach der Besetzung durch französischen Truppen preußisch.

1830 Zur Unterstützung von Witwen und Waisen sowie von Mitgliedern, die durch langandauernde Krankheiten erwerbslos wurden, wurde eine Schiffer- Witwen- Kasse gegründet.

1867 Auf Anregung des Schiffer-Altermannes wurde ein Verein von Schiffern, Reedern, Schiffbaumeistern und anderen, sich für die Schifffahrt interessierenden Personen, unter dem Namen Nautischer Verein gegründet.

1988 Mit großem Aufwand und kommunaler und staatlicher Unterstützung wurden 500 Jahre Schiffer Compagnie Stralsund gefeiert.

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