Vorgestellt

Lübecker Bruderschaft & Verein

Die Schiffergesellschaft, Breite Str. 2

Die Schifferbruderschaft

1400, am 26.12., wird die St. Nikolaus Bruderschaft gründete, Vorläufer der Lübecker Schiffergesellschaft. Ihre Ziel:

tho hulpe ende tho troste der levendigen unde doden unde alle derjenigen, de ere rechtferdige neringe soken tho waierwarth, de sind schipperen, koplude edder schippmanns 

(zu Hilfe und Trost der Lebenden und Toten und aller, die ihren ehrlichen Unterhalt in der Schifffahrt suchen, als da sind Schiffer, Kaufleute und Mannschaften)

Messen, feierliche Leichenbegräbnisse, Verteilung von Almosen, gepflegte Geselligkeiten und Fürbitte für auf hoher See, ohne Beichte und Sakrament gebliebene Seelen waren für sie von Bedeutung.

1444 stiftete sie in einem Vertrag mit den Dominikanern des Burgklosters für 200 Mark eine tägliche Messe tho ewigen Tiden für ihre Mitglieder.

1505 ist der Satzung zu entnehmen, dass 4 Olderlude, 2 Schiffsherren und 2 Kaufleute der Bruderschaft vorstanden und der jährliche Beitrag 8 Pfennig, das Eintrittsgeld 4 Schilling und 2 für Wachskerzen betrug.

1520 Ihr Vermögen, dass mit testamentarischen Vermächtnissen auf 600 Mark anstiegen war, wurde in Häusern und Grundstücken angelegt. Es erbrachte Zinsen die für mildtätige Aufgaben eingesetzt wurden. Man traf sich zu Beratungen in der Kapelle und sommers auf dem Friedhof, zu geselligen Veranstaltungen in den Wohnungen der Brüder oder gemieteten Räumen.

1497 stiftet die St.-Annen-Bruderschaft an der Nordseite der Jakobikirche eine Kapelle. Ein Rechnungsbuch von 1497 - 1525, der einzige Beleg ihrer Existenz, läßt bei ihr auf ähnliche Formen schließen, wie sie in der St.-Nikolaus-Bruderschaft bestanden. Sie war eine Vereinigung von Schiffern und Schiffsvolk ohne Kaufleute. Ihre Älterleute wurden oldeman der boslude, nicht de schepherren genannt.

1523 betrug ihr Vermögen 230 Mark. 1515 schuldete ihr ein Bruder 400 Mark. Sie gab zahlreiche Darlehen für Fracht- und Sozietätsgeschäfte. Wöchentlich wurden Pröven, bestehend aus je einem Pfund Butter, einer Semmel und 4 Pfennig in die Hand an jeweils 5 Bedürftige und Hinterbliebene ausgeteilt.

1530, Luther sprach sich gegen Bruderschaften, deren Fürbitten, frommen Werken zum Besten des Seelenheils, aber auch gegen das Fressen und Saufen bei ihren  Geselligkeiten aus. Fast alle lösten sich auf.

1535 erwerben die olderlude des zevarenden mannes bynnen Lübeck gegenüber St. Jakobi für 940 Mark ein Grundstück. Beide Bruderschaften waren zu einer neuen Gesellschaft verschmolzen. Das Siegel der St.-Annen-Bruderschaft führte sie bis ins 17. Jahrhundert. Eine weltliche Berufsorganisation, der ausschließlich Seeleute angehörten, war entstanden.

1865 strich der Deutsche Zollverein den Bruderschaften die Privilegien. Das Geld wurde knapp. Aus dem ehrwürdigen Versammlungshaus der Seefahrer wurde ein Restaurant. Als Handels- und Handwerkskammern im 19. Jahrhundert entstanden, verlor sie ihren politischen Einfluss als berufliche Vertretung. Ihre Statuten, die den Grundsätzen der Gewerbefreiheit teilweise widersprachen, wurden geändert. Sie behielt ihr Vermögen und überlebte als Unterstützungskasse für die Witwen und Waisen ihrer Mitglieder und in Not geratene Schifferbrüder. Traditionsverbunden ist sie heute sozial tätig und kümmert sich um ihre denkmalgeschützten Gebäude.

Schifferbruderschaft in Lübeck1. Vorsitzender ist  Kapitän Rüdiger Pfaff
http://www.schiffergesellschaft.de/

Der VDKS zu Lübeck e.V.

1884 kam es infolge rasanter technischer und gesellschaftspolitischer Entwicklung zum Zusammenschluss der traditionsreichen Seeschiffer Vereine von Bremen, Bremerhaven, Flensburg, Lübeck, Stettin und Hamburg im Verband Deutscher Seeschiffervereine e.V. Seine Ziele waren die Vertretung, Beratung und der Schutz seiner Mitglieder, eine sachgerechte Mitgestaltung technischer und rechtlicher Entwicklungen sowie die Förderung der Seeschifffahrt.

1902 folgten der Verein Danziger Seeschiffer, 1903 der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere der Handels-marine; VDKSdH, 1904 der Verein Hamburger Elblotsen und 1906 der Verein Deutscher Schiffer auf Kleiner Fahrt.

1929 nannte sich der VDKSdH in Verband Deutscher Kapitäne und Nautischer Schiffsoffiziere e.V. um und schloss sich mit dem Verband Deutscher Seeschiffer  bis zur Machtübernahme zusammen.

1933 löste sich erst der VDKS und am 6. Mai der Verband Deutscher Seeschiffer selbst auf um Repressalien und der Gleichschaltung zu entgehen. Beim Neubeginn der Schifffahrt nach dem Krieg erst unter der Flagge der Control Commission und 1949 dann unter der Flage der Bundesrepublik wurde die Überwindung der Zersplitterung erneut aktuell.

1952 wurde am 6. Feb der Verband Deutscher Seeschiffer-Vereine e.V. ins Vereinsregister Hamburg eingetragen und 1956, am 5. Sept., beim Amtsgericht Hamburg in Verband Deutscher Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere e.V. geändert. Jeder Nautiker erwarb durch Mitgliedschaft in einem örtlichen Verein auch die im VDKS e.V. Der Verein Deutscher Seeschiffer zu Hamburg e.V. änderte als erster seinen Namen in Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere Hamburg e.V.

1960, am 19.Okt., bildete sich der Lübecker Verein mit Zielen und Satzung des VDKS e.V. zur Förderung der Kameradschaft, Geselligkeit und Pflege des Berufstandes. Am 25. Nov. wurde der Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere an der Ostsee e.V. beim Amtsgericht eingetragen und 1962, am 13. März, in Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere zu Lübeck e.V. geändert.

1963,  zum ersten Beisammensein mit Damen wurde das Festmahl Reis & Curry erfunden.

1977 wurde am 4. Jan. an der Fachschule Lübeck der Bereich Seefahrt eingestellt und die 1891 gegründete Kameradschaft, der Club Neptun, ging im Lübecker VDKS auf. Diese politische Entscheidung nahm dem Lübecker VDKS das Nachwuchsreservoir. Die Mitgliederzahl sank. 

Der VDKS zu Lübeck ist korporatives Mitglied im Nautischen Verein Lübeck, der Seemannsmission Lübeck und im Verein Feuerschiff Fehmarnbelt. Mit der Schifferbruderschaft in Lübeck ist er freundschaftlich verbunden. Viele seiner Mitglieder sind auch Schifferbrüder.

VDKS Vereinsabende finden am 2. Donnerstag im Monat um 18:00 Uhr im Kapitänszimmer der Schiffergesellschaft, außer an Feiertagen und im Juli, August und September statt.

VDKS zu Lübeck e.V., 1. Vorsitzender ist Kapitän Dieter Knabe.