Nr. Flagge M271,    Unterscheidungssignal MCRL,     Bark,     Holzbau

    Vorweg, dieses Barkschiff gehört nicht zu den Seeschiffen der Danziger Reeder Behrent. Aber der Danziger Reeder Hermann Wilhelm Behrent war Partenreeder und Namenspate für diese 1867 beim Schiffbauer  Wilhelm Zeltz in Rostock gebaute  Bark, die vom Schiffer Georg Dillwitz aus Wustrow 20 Jahre geführt worden ist. Bei der Suche im Internet mit dem Namen "Hermann Behrent" fand ich  einen Eintrag, der  zu dieser Rostocker Bark  bei "Segelschiffe A-Z, Lorentzscher Lloyd" führte. (Leider scheint die Website, die mir weitergeholfen hat, gelöscht zu sein ; 06.01.2006):

Name                    HERMANN BEHRENT
Nation                  D
Heimathafen       Rostock
Typ                       Bark  /  Kupferfest
Baujahr               1867
Werft                   Wilhelm Zeltz, Rostock
a.D.                       1887    seeuntüchtig
Abmessungen     L/B    35,21m    8,46m
Deplacement       165 Lasten / 357 RT

    Der Website-Inhaber des Lorenzschen Lloyd, Gerd Lorenz, gab mir seine Quelle wie folgt an:
Die Daten zurBark HERMANN BEHRENT habe ich folgendem Buch entnommen:
Autor : Jürgen Rabbel; Titel: Rostocker Windjammer; Verlag: VEB Hinstorff Verlag Rostock; 1. Auflage 1983.
    Das genannte Buch beschaffte ich mir umgehend im Antiquariat, natürlich auch per Internet über die Adresse http://www.sfb.at Telefonisch erhielt ich von dem Autor des Buchs  Dr. Jürgen Rabbel seine Quellen genannt:
Eine Akte über die HERMANN BEHRENT gibt es in Rostock im Stadtarchiv am Rathhaus. Signatur 1.12.1 (Schiffe und Hafen) Akte # 499 Schiffe mit H. Daraus ist zu entnehmen: Kapitän Dillwitz.  /  Leck gesprungen mit Holzladung aus der Karibik. In Savanna GEORGIA/USA kondemniert.
    Im Stadtarchiv Rostock habe ich dann diese Akte eingesehen und mir eine Kopie machen lassen. Darunter auch den Hinweis vom 21.3.1887 auf den Verbleib der Bark durch ein Schreiben der Reederei L. Burchard & Sohn an das Schiffsregister:

Der Text lautet: Rostock, den 21. März 1887 / An .... Schiffregister Behörde hierselbst. / Hierdurch erlauben wir uns Ihnen in / der Anlage das Certificat der im Januar d. J. in /  Savanah condemnirte Bark Hermann Behrent, / Capt. Ger. Dillwitz zur gefl. ...derung zu übernehmen / Hochachtungsvoll u. ..  / .. Burchard ..

Bei einem Besuch in Savanah im November 2003 habe ich bei der Georgia Historical Society in Savannah, Georgia, USA nach Spuren der HERMANN BEHRENT gesucht. Für eine Gebühr von 5$  pro Tag erhielt ich fachkundiger Unterstützung und wurde auch sofort in der Savanah Morning News vom 14.XII.1886 fündig. Da stand zu lesen:


Die Übersetzung lautet: 
GESTERN IN QUARANTÄNE ANGEKOMMEN / .... / Bark HERMAN BEHRENT (D). Dilwitz. St. Domingo, mit Holzstämmen, in Seenot (siehe Lokalteil) – S. Fatman
Und im Lokaltei war folgendes zu lesen:


Die Übersetzung lautet:  
KAMPF IM STURM / Die Deutsche Bark BEHRENT ist in leckem Zustand im Hafen angekommen. / Die Deutsche Bark HERMANN BEHRENT, Capt. Dilwitz, ist gestern in leckem Zustand in der Quarantäne angekommen und ankert vor Long Island mit einer Ladung von Baumstämmen aus Monte Christo, St. Domingo, für LeHavre, Frankreich. Capt. Dilwitz berichtet, dass er am 21. Nov. von Monte Christo ausgelaufen und vom ersten Tag an rauem Wetter und wiederholt Stürmen entgegengetreten ist. Er erreichte unmittelbar nach dem Auslaufen die Passatwinde. Der Wind aus Nord-Ost bis Ost und die See von Nord-Nord-Ost verursachten eine starke Kreuzsee mit hohen Wellen und stätig zunehmender Kraft, wodurch das Schiff sehr stark arbeitete und zu rollen und stampfen gezwungen wurde. Das sehr raue Wetter setzte sich am zweiten Tag mit einer zunehmenden Kopfsee fort. Das fortlaufende Arbeiten des Schiffes in der hackenden Wellen bewirkte, dass es leck sprang wodurch es schließlich bis zu sechzehn Zoll Wasser in jeder Wache nahm. Am 27. Nov. verstärkte sich das Leck auf vierzehn Zoll in jeder Stunde. Die Mannschaft stand ununterbrochen an den Pumpen um das Spielen des Wasser zu vermeiden. An diesem Tag änderte der Captain seinen Kurs in den Golfstrom zu um den Weg in einen Amerikanischen Hafen zu nehmen. Letzten Dienstag und Donnerstag traf er auf einen sehr starken Sturm, der Wind kam offensichtlich von Westen und sprang dann in alle Richtungen des Kompasses um. Der Sturm dauerte immerhin volle dreizehn Stunden bevor er abflaute. Der Sturm veranlasste das Schiff  schwer zu arbeiten und das Leck vergrößerte sich derart, dass die ganze Mannschaft Tag und Nacht an den Pumpen stehen musste und fast völlig erschöpft war als das Schiff  gestern morgen Tybee erreichte. Die BEHRENT zeigt keine anderen Schäden. Sie wird in einem Tag oder so zur Stadt hochkommen und wahrscheinlich untersucht werden und wenn das geschehen ist, dann muss sie entladen werden und für die Reparatur herausgeholt werden. Die HERMANN BEHRENT und Capt. Dilwitz sind als Handelschiff und Händler in diesem Hafen altbekannt (Savannah, Georgia USA).

In der Ausgabe der Savannah Morning News vom 1.1. und 7.1.1887 stand die folgende Anzeige:


Die Übersetzung lautet:
Auktionsverkäufe kommende Tagen / KAISERLICHES DEUTSCHES KONSULAT, SAVANNAH, 1. Jan. 1887 / Verkauf der Bark HERMANN BEHRENT  / Durch J. McLaughlin & Sohn, /Am Freitag den 7ten Januar 1887 um 12 Uhr auf der Werft zwischen Abercon- und Lincolnstreet. / Wie sie da liegt, / Die Deutsche Bark HERMANN BEHRENT, G. Dilwitz, Besitzer, 357 Registertonnen, Kupferbeschlagen und -befestigt, mit all den üblichen Einrichtungen für ein Schiff ihres Registers. / Ketten, Anker, Seile, Segel usw. / Die bezeichnete Bark lief in Seenot diesen Hafen an. Nachdem sie entladen war wurde sie durch rechtlich bestellte Autoritäten für seeuntüchtig erklärt (kondemniert) und zum Verkauft durch öffentliches Gebot – ? auf Rechnung wen immer es angeht ?. / Einrichtungen und andere Einzelheiten können im Büro von J. McLaughlin & Sohn erfragt werden. / TERMSCASH / Im Auftrag von W. SCHROEDER, / Amtierender Konsul Deutsches Reich.

Und dann eine letzte Meldung vom 21.1.1887 nachdem das Schiff versteigert worden war:


Die Übersetzung lautet: Hermann Behrent, D , 356 t, Dilwitz, Monte Christo, sold - S. Fatman.

Es ist anzunehmen, dass das Schiff unter anderem Namen wieder in Dienst gestellt worden ist. Um darüber Gewissheit zu bekommen müßten alle Schiffsbewegungen von Savannah auslaufend nach dem Auktionsdatum gesichtet und auf gleiche Schiffsgrößen geachtet werden, die zuvor nicht mit Ihrem Namen eingelaufen sind. Eine Herausforderung!


BV 1868


BV 1869


BV 1875